Diesen Satz höre ich regelmäßig, meist von jemandem, der etwas anderes verkaufen will. Und jedes Mal fehlt der zweite Teil der Geschichte.
Das eigentliche Problem: der Aufbau
Ich übernehme regelmäßig Projekte, in denen ich erst mal alle aktiven Plugins analysiere, bevor ich irgendwas anfasse. Manchmal sind es 12. Manchmal 30. Die Zahl sagt nichts über WordPress aus. Sie sagt etwas darüber aus, wie logisch das Setup aufgebaut wurde – oder eben nicht.
Ein Plugin für eine Lightbox, die der Block-Editor längst kann. Ein Slider, den ein paar Zeilen Code abdecken würden. Ein SEO-Plugin, ein zweites SEO-Plugin und ein drittes, das die beiden überwacht. Das ist kein Plattform-Problem. Das ist ein Architektur-Problem.
Aber wirklich spannend wird es, wenn man sich die Alternativen anschaut, die in der gleichen Diskussion empfohlen werden:
Wix. Squarespace. Webflow. Shopify.
Baukästen: Abhängigkeit statt Plugins
Kein Plugin-Chaos. Stimmt. Aber nicht weil sie besser gebaut sind, sondern weil der Anbieter kontrolliert, was geht und was nicht. Erweiterungen gibt es auch dort, nur innerhalb eines geschlossenen Systems. Ändern sich die Preise: bleibt man trotzdem. Ändert sich die Richtung: bleibt man trotzdem. Weil ein Wechsel bedeutet: von vorn anfangen.
Kein Plugin-Problem. Dafür ein Abhängigkeitsproblem.
Headless: verteilte Komplexität
Und dann gibt es die technisch anspruchsvolleren Alternativen. Headless-Setups. Astro. Cloudflare Pages. Eigene Frontends mit Shopify Storefront als Backend.
Kein Plugin-Problem. Dafür vier getrennte Systeme, die man manuell zusammenhalten muss. Kein gemeinsames Dashboard. Kein einheitliches Rechtemanagement. Kein System, das Content-Verwaltung, Veröffentlichung und Shop unter einem Dach abbildet. Die Komplexität ist nicht weg. Sie ist verteilt. Und unsichtbar, bis etwas bricht.
Die Kostenfrage
Und dann ist da noch die Kostenfrage, über die in diesen Vergleichen selten gesprochen wird. WordPress ist Open Source. Keine Lizenzkosten. Kein Abo, das jährlich teurer wird. Die Investition fließt in den Aufbau, nicht in die Erlaubnis, das System nutzen zu dürfen. Bei Wix, Squarespace oder Shopify zahlt man dauerhaft dafür, Gast im eigenen Haus zu sein. Bei einem Headless-Setup zahlt man Entwicklungsaufwand, der ein Vielfaches eines WordPress-Setups kosten kann – bei vergleichbarer Funktionalität.
Was wirklich hilft
WordPress hat ein anderes Modell. Offen. Erweiterbar. Und ja, damit auch anfällig dafür, falsch aufgebaut zu werden. Aber “kann falsch aufgebaut werden” ist kein Argument gegen ein System. Es ist ein Argument dafür, es richtig aufzubauen.
30 Plugins sind kein WordPress-Problem. 30 Plugins sind das Ergebnis, wenn niemand vorher die Frage gestellt hat: Was brauchen wir wirklich. Und was nicht.
Typische Fragen
Wie viele Plugins sind zu viele?
Es gibt keine feste Zahl. Zu viele sind es, sobald Plugins Dinge erledigen, die WordPress oder das Theme längst können, oder wenn niemand mehr weiß, wofür eines da ist.
Machen Plugins WordPress langsam?
Nicht jedes. Aber jedes Plugin lädt Code, und schlecht gebaute laden ihn auf jeder Seite. Entscheidend ist, was geladen wird, nicht wie viele.
Was ist die Alternative zu vielen Plugins?
Ein Aufbau, der mit dem Block-Editor und wenigen, gut gepflegten Erweiterungen auskommt. Kleine Funktionen lassen sich oft mit ein paar Zeilen Code lösen.